Kurt

Am 5. April 1994 war ich ziemlich genau dreizehneinhalb Jahre alt und befand mich zu der Zeit mit meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester in einer Kur im Schwarzwald. Der Ort, in dem wir für die Dauer der Kur wohnten hieß Sasbachwalden und war ein nettes, verschlafenes Städtchen in Baden-Württemberg. Als nächst größere Stadt bot sich Baden-Baden an. Außer der Tatsache, dass ich mich im Urlaub befand und deshalb meinen Schlagzeug-Unterricht pausieren musste, war ich ebenso auf der Suche nach neuen musikalischen Errungenschaften. Ich lechzte förmlich nach immer neuen Inputs.

Ostern war gerade vorbei und ich hatte die ein oder andere neue CD bekommen. Unter anderem „Die Bestie in Menschengestalt“ von Die Ärzte, welche ich in meinem Discman rauf und runter hörte. Eine Platte allerdings lief noch häufiger. Sie war nicht mehr die aktuellste und die Band war auch längst kein Geheimtipp mehr. Zuerst hatte ich sie als „Schwarzkopie“ von einem Freund auf Kassette bekommen. Es war eine Sony-MC und auf den schmalen weißen Streifen stand mit lila Fineliner von Stabilo (die, mit denen man die MCs auch vor- oder zurückspulen konnte) geschrieben: „Nirvana – Nevermind“. Als ich auf CD umsattelte musste ich mir das Album natürlich zulegen. Auf dem blauen Cover war das bekannte Baby, das nackt nach einer Dollar-Note tauchte und sein Gemächt prominent in die Kamera hielt. Allein das Cover hat den Kauf der Platte gerechtfertigt. 😉

Der Sound allerdings, der auf dem Album festgehalten war, sollte mich tief und lange beeinflussen. Allein der Opener, Smells Like Teen Spirit, sollte einer der meistgespielten Hits in Deutschlands Indie-Discotheken werden und ist es bis heute. Alleine bei Spotify zählt der Titel mehr als 20 Millionen Plays. Dabei war es für mich persönlich gar nicht Kurt’s prägnante Stimme mit dem zerstörerischen Text, sondern eher Dave Grohl’s kraftvolles Schlagzeugspiel, das mich vom Hocker gehauen hat. OK, das lag sicherlich daran, dass ich mich als motivierter Schlagzeugschüler vor allem auf’s Schlagzeug konzentrierte wenn ich Musik hörte. Aber trotzdem finde ich noch immer, dass Dave Grohl irgendwie immer alles ein kleines bisschen anders macht – und damit stehe ich nicht alleine. 😉

Insgesamt war die Musik in erster Linie laut und das gefiel mir. Dazu kam, dass die Strukturen der einzelnen Songs nichts kompliziertes an sich hatten, sondern eher aufgebaut waren wie Pop-Songs. Während sich die meisten meiner Freunde und Mitschüler*innen im damals aktuellen Dance und 90er-Techno verloren, war mir das alles etwas zu brav. Klar, auch ich hatte eine „Mr. Vain“-Maxi-CD von Culture Beat im Regal und auch die ein oder andere „BRAVO Hits“ hatte sich dort eingeschlichen – man musste schließlich irgendwie mitreden können. Mein Herzblut schlug allerdings nach wie vor für handgemachte Gitarrenmusik.

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