Smartphones und Kurznachrichtendienste: ständig verfügbar.

Smartphone KurznachrichtendienstDieser Beitrag soll in erster Linie mir selbst gelten, damit ich diesen Gedanken nicht vergesse. Ich studiere Erziehungswissenschaften und schreibe zur Zeit meine Abschlussarbeit zum Thema „Medienwelten Jugendlicher und der pädagogische Nutzen von Smartphones“ und greife darin verschiedene Ansätze und Themen auf. Ein Gedanke, der mich seit einiger Zeit auch selbst privat häufig beschäftigt, ist die ständige Verfügbarkeit, die man durch ein Smartphone mit sich trägt. Viel mehr allerdings noch die Erwartungshaltung von Smartphone-Nutzern dem Kommunikationspartner gegenüber. Denn wenn ich über einen der unzähligen Messenger eine Nachricht an jemanden sende, will ich auch, dass er sie so schnell wie möglich liest und im besten Fall auch darauf antwortet – ungeachtet der Tages- oder Nachtzeit. Dies wird durch die Messenger-eigenen Funktionen unterstützt, denn seit längerer Zeit kann man beispielsweise in WhatsApp und Telegram durch die berühmten Häkchen kontrollieren, ob eine Nachricht angekommen ist und auch, ob sie schon vom Kommunikationspartner „gesehen“ (d.h. nicht „gelesen“) wurde. Aber hat man das Recht, die Erwartungshaltung zu haben, dass der Kommunikationspartner so schnell wie möglich auf sein Smartphone schaut und neue Nachrichten liest, sobald es vibriert oder piept oder klingelt oder sonstwas? Ist dann nicht evtl. ein Anruf die bessere Wahl des Kommunikationsweges?

Die kurze Nachricht „zuletzt online 13:06 Uhr“ bei WhatsApp sorgt z.B. dafür, dass man ein gewisses Maß an Kontrolle hat, wann das Gegenüber zuletzt online war und evtl. sogar Nachrichten gelesen und verschickt hat. Wieso wird dann die eigene Nachricht nicht gelesen bzw. beantwortet? Ich bin mir sicher, dass dadurch schon Beziehungskrisen ausgelöst wurden. Im Fall von Messenger-Apps verringert sich quasi die Unsicherheit beim Sender und der Reaktionsdruck beim Empfänger wächst um ein beträchtliches Maß. Der Mediensoziologe Florian Muhle von der Universität Bielefeld sagt in einem Interview mit RP Online, dass bei modernen digitalen Kommunikationsformen gar keine Trennung mehr zwischen Absender und Empfänger vorgenommen werden kann wie dies noch bei analogen Medien wie dem Brief der Fall war.

Man kann die Anzeige der letzten Online-Aktivität auch deaktivieren und auch das Erscheinen der blauen Häkchen als Zeichen dafür, dass eine Nachricht gesehen wurde lässt sich abschalten. Aber ist das eine Verbesserung? Oder schürt das noch mehr Misstrauen? Ich persönlich habe beides deaktiviert und weiß diese kleine zurück gewonnene Freiheit sehr zu schätzen.

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